Ein Platz für alle: Woher kommt dieser Bürostandard und ist er noch sinnvoll?

Michaela Novotná, 26. Mai 2026

Interieur

Seit der Pandemie taucht in den Bürodebatten immer wieder eine Frage auf: Wie viele Arbeitsplätze braucht ein Unternehmen eigentlich? Wir sehen immer wieder das Standardmodell 1 Person = 1 Schreibtisch. Auf den ersten Blick eine logische, langjährige und leicht nachvollziehbare Rechnung. Aber die Arbeitsweisen haben sich in den letzten sechs Jahren erheblich verändert. Hybride Arbeitsweisen, künstliche Intelligenz, flexible Teams und variable Anwesenheit bringen diese Gleichung durcheinander. Und es stellt sich heraus, dass die Antwort auf diese Frage schon lange nicht mehr so einfach ist.

Coworking Green Table, foto: Studio Flusser

Wie wir „vor Covid“ gearbeitet haben

Das 1:1-Modell ist nicht als strategische Entscheidung entstanden. Es entstand aus der Art und Weise, wie die Dinge zu dieser Zeit gehandhabt wurden. Das Büro war ein Ort, an den man jeden Tag ging. Die Teams waren stabil, die Arbeit verlief synchron, und die meisten Mitarbeiter verbrachten die gesamte Arbeitswoche im Büro. In einem solchen Kontext machte ein festes Verhältnis von Arbeitsplätzen Sinn.

Die Pandemie hat die Nutzung des Weltraums verändert

Die Pandemie hat gezeigt, dass wir nicht jeden Tag ins Büro gehen müssen und dass einige Arbeiten effektiv asynchron erledigt werden können.

Die meisten Unternehmen arbeiten heute nicht mehr im 5:0-Modus (5 Tage im Büro und 0 Tage im Home Office), sondern eher in einem Mischmodell, das oft bei 3:2 liegt. Daher ist die Anwesenheit natürlich nach einem bestimmten Muster verteilt:

  • einige Tage sind voll (typischerweise am Anfang der Woche)
  • gefolgt von Spitzenwerten in der Wochenmitte (Dienstag-Donnerstag)
  • Freitags ist es in der Regel deutlich leerer

Daten aus dem Immobilienmarkt zeigen seit langem, dass die durchschnittliche Büroauslastung etwa zwischen 50-60% liegt. Hier beginnt die Gleichung 1 Person = 1 Schreibtisch ihre Bedeutung zu verlieren.

Desksharing funktioniert, aber nicht überall

Eine Antwort auf die geringere Bürobelegung ist das Jobsharing. Aber auch das hat klare Grenzen.

Die gemeinsame Nutzung von Schreibtischen funktioniert zum Beispiel gut:

  • für Projekt- und Hybridteams
  • für Aufgaben mit einem hohen Maß an Mobilität
  • in Unternehmen mit gut geführter Anwesenheitsplanung

Umgekehrt kann es nicht universell empfohlen werden:

  • Führung
  • F&E-Teams
  • spezifische Arbeitseinstellungen (Hardware, Sicherheit, Spezialausrüstung)

Mit anderen Worten, die gemeinsame Nutzung ist keine Einheitslösung für alle. Es ist ein Werkzeug, das nur in einem bestimmten Kontext funktioniert.

Teamübergreifende Arbeitsmuster sind wichtig

Die größte Veränderung im Denken über Büros ist heute nicht, wie viele Arbeitsplätze sich in offenen Räumen befinden. Sondern darum, wie die Menschen tatsächlich arbeiten.

Die grundlegenden Fragen sind anders:

  • Wie arbeiten die Menschen in dem Unternehmen eigentlich?
  • Wie viel Zeit brauchen sie, um konzentriert in ihrer eigenen Wohnung zu arbeiten?
  • Umgekehrt, wie oft telefonieren sie, treffen sich oder arbeiten zusammen?
  • Müssen die Teams zusammensitzen? Und wie oft?
  • Wer kann sich den Raum innerhalb des Teams teilen, ohne die Arbeitsabläufe zu stören?

Nur aus diesen Daten ergibt sich ein realistisches Kapazitätsmodell, das dem tatsächlichen Bedarf des Büros entspricht – nicht dem historischen Standard.

Das 1:1-Modell war lange Zeit ein einfacher und funktionaler Standard. Aber heute entspricht es nicht mehr der Realität der Arbeit. Gleichzeitig ist auch das entgegengesetzte Extrem „je weniger Tische, desto besser“ nicht wahr. Das Büro ist keine Mathematik, sondern ein System aus menschlichem Verhalten. Es kommt also darauf an, ob die Bürokapazität den realen Arbeitsmustern entspricht – nicht dem historischen Modell oder den aktuellen Sharing-Trends.

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