Wo physische Sicherheit auf Identität trifft
Inklusives Bürodesign beginnt weder mit der Auswahl der Möbel noch mit der Farbpalette. Es beginnt mit der Frage, für wen der Raum gestaltet wurde und wen er stillschweigend außer Acht lässt.
Toiletten sind in diesem Sinne eines der aussagekräftigsten Elemente eines Gebäudes: Es sind Orte, an denen körperliche Sicherheit und Identität am deutlichsten aufeinandertreffen. Eine Studie von RIBA und Arup aus dem Jahr 2024 ergab, dass 44 % der Transpersonen bestimmte öffentliche Räume, darunter auch Arbeitsstätten, aus Angst vor Reaktionen in den Toiletten meiden.
Ein Mitarbeiter, der seine Flüssigkeitsaufnahme einschränkt, um nicht während der Arbeit auf die Toilette gehen zu müssen, verfügt nicht über die volle kognitive Leistungsfähigkeit für seine Arbeit. Die Toilette ist kein nebensächliches Detail eines inklusiven Designs. Sie ist die Grundlage für psychologische Sicherheit.
Was besagt die tschechische Gesetzgebung?
Die tschechische Gesetzgebung schließt dieses Thema nicht ab, blockiert es aber auch nicht.
Die Regierungsverordnung Nr. 361/2007 Sb. legt fest, dass Toiletten ab sechs Beschäftigten nach Geschlechtern getrennt eingerichtet werden müssen, und bestimmt die Mindestanzahl an Kabinen und Waschbecken in Abhängigkeit von der Mitarbeiterzahl. Die Vorschrift regelt jedoch weder die Kennzeichnung noch die physische Trennung der einzelnen Kabinen. Sie regelt hygienische Parameter, nicht jedoch die geschlechtsspezifische Raumgestaltung.
Die technische Norm ČSN 73 4108 geht noch einen Schritt weiter: Sie ermöglicht Lösungen, bei denen einzelne, vollständig abschließbare Kabinen mit WC und Waschbecken von einem geschlechtsneutralen Flur aus zugänglich sind. Ein solches Layout entspricht der geltenden Norm und ist zugleich von Natur aus geschlechtsneutral. In der Tschechischen Republik gibt es keine Vorschrift, die Unternehmen geschlechtsneutrale Toiletten verbieten würde.
„Safe Layout“: eine gestalterische Lösung, kein politisches Statement
Der Schlüssel zu einer geschlechtergerechten Gestaltung von Toiletten liegt nicht in der Beschriftung der Türen, sondern in der Raumaufteilung. Vollständig geschlossene Kabinen vom Boden bis zur Decke mit eigenem Waschbecken sowie ein gemeinschaftlich genutzter Waschbeckenbereich stellen sowohl aus rechtlicher Sicht als auch im täglichen Betrieb eine sichere Lösung dar.
Unternehmen, die Bedenken hinsichtlich einer pauschalen Umstellung haben, empfehlen wir einen schrittweisen Ansatz. In der ersten Phase reicht es aus, an den Türen der einzelnen Kabinen im Gemeinschaftswaschraum Standard-Piktogramme anzubringen. Sobald sich die Mitarbeiter an den gemeinsam genutzten Raum gewöhnt haben, können die Beschilderungen entfernt oder durch neutrale ersetzt werden. Die Umstellung erfolgt auf natürliche Weise, ohne dass bauliche Maßnahmen erforderlich sind.
Beschilderung ohne geschlechtsspezifische Symbole
Geschlechtsneutrale Beschilderung beschreibt Funktionen, nicht Geschlechter: Toilette, Waschbecken, Wickeltisch. Die Umrüstung bestehender Toiletten auf ein solches Layout ist sowohl technisch als auch finanziell machbar. Der Ersatz eines Standardraums durch einzelne abschließbare Kabinen kann im Vergleich zu zwei getrennten Räumen sogar 30 bis 40 % der Gesamtfläche einsparen.
Mythen, die wir widerlegen
Der häufigste Einwand gegen geschlechtsneutrale Toiletten am Arbeitsplatz lautet: Die Mitarbeiter werden dies nicht wollen. Eine Studie von Steelcase und Gallup zeigt jedoch, dass der Widerstand der Mitarbeiter nach der Einführung geschlechtsneutraler Toiletten in der Regel innerhalb von drei bis sechs Monaten nachlässt. Der Widerstand ist eher lautstark als zahlreich.
Das Argument „Unser Unternehmen hat keine trans-Mitarbeiter“ lässt eine einfache Tatsache außer Acht: Trans-Mitarbeiter offenbaren ihre Identität nicht, wenn kein inklusives Umfeld vorhanden ist. Eine nicht-binäre Identität ist in der jüngeren Generation weit verbreitet, und Ihr nächster neuer Kollege hat wahrscheinlich eine solche. Unternehmen, die diese Tatsache bereits heute bei der Gestaltung ihrer Räumlichkeiten berücksichtigen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung der Talente von morgen.
Perspektiv widmet sich dem Thema „inklusiver Arbeitsplatz“ sowohl im Rahmen von Beratungsprojekten als auch als Partner des Pride Business Forum 2026.