Das Studio Perspektiv kann auf eine Reihe erfolgreicher Projekte zurückblicken. Vom preisgekrönten BudexHUB über die Neugestaltung des Sofijského-Platzes bis hin zu Schulgebäuden und riesigen Sportanlagen. Welches davon gefällt Ihnen am besten?
Es handelt sich um Typologien, die unmittelbare Auswirkungen auf die Umgebung haben, in der Menschen täglich die meiste Zeit verbringen. Damit meine ich Schulen, Wohnhäuser oder Bürogebäude. Es macht mir Freude, dass wir aus architektonischer und planerischer Sicht in der Lage sind, solche Umgebungen nicht nur richtig zu gestalten, sondern auch die Aufenthaltsqualität und das Wohlbefinden der Menschen darin zu beeinflussen.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten bei Ihnen an einem solchen Projekt?
Dies hängt von der Größe der Projekte und der jeweiligen Projektphase ab. Derzeit sind wir im Büro über 90 Architekten und Planer und nutzen die Synergien zwischen den Abteilungen. Aus der Planungsabteilung beraten wir die Architekten bereits in der Studienphase zu den Projekten und legen gemeinsam die grundlegenden technischen Prinzipien sowie deren Machbarkeit fest. Nach der Genehmigung der Studie folgen die Dokumentationsphasen für die Baugenehmigung und die Bauausführung. In diesen Phasen kann sich bei größeren Projekten über 8.000 m², auf die wir uns im Büro in der Regel konzentrieren, ein bis zu 30-köpfiges Team widmen, das sich nicht nur aus unseren internen Mitarbeitern, sondern auch aus externen Spezialisten wie Statikern, Brandschutzingenieuren, Elektrotechniker, Heizungsbauer, Lüftungstechniker und andere.
Nach und nach haben Sie neben dem Architektenteam auch eine eigene Planungsabteilung aufgebaut. Warum arbeiten Sie nicht lieber mit externen Planern zusammen?
Das liegt auf der Hand. Eigene Planer zu haben, ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Büros, die keine haben. Den meisten Kunden kommt es entgegen, alles aus einer Hand zu erhalten. Die Aufteilung der Planungsunterlagen auf mehrere Unternehmen ist aus Sicht des Investors ein sehr komplexer Prozess. Unser Planungsteam wurde gerade deshalb gegründet, weil wir unseren Kunden ein umfassendes Leistungsportfolio anbieten möchten – von der Vorstudie bis zur Bauabnahme. Ein weiterer Grund ist, dass wir dadurch die Qualität und Konsistenz des Projekts effektiver sicherstellen können.
Sie möchten das Team jedoch weiter verstärken. Um welche Berufe handelt es sich dabei?
In erster Linie möchten wir unser Team um erfahrene Planer erweitern. Wir müssen nicht nur unsere eigenen Aufträge abdecken, sondern möchten unser Leistungsportfolio auch auf Projekte ausweiten, bei denen wir zwar keinen eigenen architektonischen Entwurf erstellen, aber in der Lage sind, die nachfolgenden Phasen der Projektdokumentation zu bearbeiten. Wir konzentrieren uns zudem auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Architekten, die lokale Partner suchen und Unterstützung im tschechischen Baumilieu benötigen. Unser Ziel ist es, ein Planungsteam von etwa dreißig Mitarbeitern aufzubauen. Langfristig erwägen wir, das Team um weitere Fachspezialisten zu ergänzen, damit wir nicht vollständig auf externe Subunternehmer angewiesen sind.
Ihr BudexHUB wurde im vergangenen Jahr mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der dritte Platz bei den Estate Awards. Welche Rolle spielte bei diesem Projekt die Kombination aus architektonischer Planung und Projektierung unter einem Dach?
Beim BudexHUB war die Integration von architektonischem Entwurf und Planung unter einem Dach von entscheidender Bedeutung, da es sich um ein vierstöckiges Bürogebäude in Holzbauweise mit einer Hybridkonstruktion handelt, bei der massive Holzplatten mit einem Stahlbetonkern verbunden sind, was erfordert, dass die technischen Aspekte bereits ab den ersten Skizzen berücksichtigt werden und nicht erst in einer späteren Phase der Planungsunterlagen. Architektonisch wollten wir, dass die tragende Holzkonstruktion an den Hauptflächen sichtbar ist und bereits am Eingang die Identität des Gebäudes prägt, was die Anforderungen an Brandschutz, Akustik, Verbindungsdetails sowie die Ausführungsqualität sofort erhöht. Die größte planerische Herausforderung bestand in der Koordination der Durchführungen in den Holzkonstruktionen mit den Verläufen der internen Versorgungsleitungen, wobei man sich auf der Baustelle keine Improvisationen leisten kann – alles muss im Voraus präzise geplant und aufeinander abgestimmt sein. Dank der Koordination im BIM-System und der Tatsache, dass Architekt und Planer eine gemeinsame Sprache sprachen, gelang es uns, die architektonische Klarheit und die technische Funktionalität ohne schmerzhafte Kompromisse zu bewahren, wie sie bei ähnlichen Bauvorhaben häufig vorkommen.
Sie legen großen Wert auf die Planung im digitalen BIM-System. Worin liegt dessen Hauptvorteil?
BIM (Building Information Modeling) ist ein Phänomen unserer Zeit, doch ich stelle häufig fest, dass die Menschen es anders verstehen, als es tatsächlich ist. Es ist wichtig, zwischen BIM und einem 3D-Gebäudemodell zu unterscheiden. Kurz gesagt stellt BIM einen Prozess dar. Es ist eine Methode zur Steuerung des gesamten Projekts von Anfang bis Ende. Ein Prozess, dank dem wir in der Lage sind, ein Projekt zu entwerfen, den Bau durchzuführen, und der auch im anschließenden Facility Management zum Einsatz kommen kann. Alles findet in der digitalen Umgebung CDE (Common Data Environment) statt, an einem einzigen Ort, auf den alle Beteiligten Zugriff haben. Hier findet die Kommunikation statt, werden Anmerkungen zur Dokumentation gemacht, Protokolle von Begehungstagen geführt und hier wird auch das erwähnte 3D-Modell gespeichert, das sozusagen den Kern der gesamten Umgebung bildet.
Wie viel kostet eine solche Digitalisierung und welche Einsparungen bringt sie dem Investor?
Die Mehrkosten für die Planungsarbeiten belaufen sich auf etwa ein Prozent der Investitionskosten. Die endgültige Einsparung kann jedoch bei etwa drei bis vier Prozent der Investitionskosten liegen, und wenn ich davon den Prozentsatz abziehe, den mich der BIM-Prozess gekostet hat, kann ich sogar eine Nettoeinsparung von drei Prozent erzielen.
Lässt sich dank des Einsatzes von BIM schneller bauen?
BIM dient als Absicherung gegen Chaos; wenn Sie es nicht nutzen, ist dies der direkte Weg ins Chaos. Die Projektdokumentation umfasst Hunderte bis Tausende von Unterlagen. Der Bauherr, die Bauaufsicht, der Planer und der Generalunternehmer arbeiten mit diesen Unterlagen. Sind die Dokumente nicht zentralisiert, kann es leicht passieren, dass jemand zwei Tage lang mit veralteten Unterlagen arbeitet, dies erst später bemerkt und von vorne beginnen muss. Wir betrachten BIM daher in erster Linie als eine zentrale Informationsquelle, die Zeitverschwendung verhindert. Die Arbeit mit BIM ist jedoch nicht schneller. Sie ist qualitativ hochwertiger, da wir die eingesparte Zeit dafür nutzen, die Projektdokumentation zu verbessern, detaillierter zu gestalten und gründlicher zu prüfen. Da ich mich in einer 3D-Umgebung bewege, in der alle Teile des Bauwerks modelliert sind, bin ich in der Lage, auch Kollisionen zwischen den Gewerken zu erkennen.
Wo kann sich dies äußern?
Dies ist beispielsweise bei der Lüftungstechnik und der Kanalisation typisch. Sie werden leicht feststellen, dass die Abwasserleitungen so geplant sind, dass sie durch die Lüftungsrohre verlaufen, was natürlich Unsinn ist. Im Modell lässt sich dies bereits während der Planungsphase koordinieren, einschließlich der damit verbundenen Durchführungen durch Stahlbetonkonstruktionen. Jede zusätzliche Kernbohrung kostet nämlich mehrere Tausend, und bei einem Großbauprojekt kann es Hunderte davon geben, sodass wir hier von unnötigen Kosten in Höhe von Millionen Kronen sprechen. Genau darauf reagieren Investoren am stärksten, wenn wir ihnen dank BIM hohe Kosten für Mehrarbeit ersparen.
Ab Januar 2027 wird BIM in Tschechien bei allen öffentlichen Aufträgen ab 135 Millionen Kronen verpflichtend sein. Ist der tschechische Markt darauf vorbereitet?
Der Immobilienmarkt ist relativ gut vorbereitet. Ich habe jedoch Bedenken hinsichtlich des öffentlichen Sektors, da die Digitalisierung der Baubranche zeigt, dass nicht alles so gut erfasst ist, dass der Übergang reibungslos verlaufen würde. Wichtig sind auch branchenweite Aufklärung und Schulung aller beteiligten Akteure. Damit sind zudem nicht unerhebliche Kosten verbunden. BIM ist keine kostengünstige Angelegenheit; Softwarelizenzen sind relativ teuer, ebenso wie leistungsfähige Hardware, da gewöhnliche Computer für eine effiziente Arbeit damit nicht ausreichen. Dies wird ein entscheidender Schritt sein, und ich glaube, dass die Digitalisierung der Bauaufsichtsbehörde, die nun stattgefunden hat, dem bei weitem nicht gleichkommt. Es wird eine bedeutende Neuausrichtung all dessen sein, was bisher Bestand hatte.
Sie beschäftigen sich auch mit Low-Tech-Architektur. Lässt sich heutzutage noch ein Projekt realisieren, ohne dass es mit den unterschiedlichsten komplexen Technologien überladen ist?
Technologie soll das Objekt lediglich ergänzen und verbessern und nicht überall um uns herum sein. Im Rahmen derselben Typologie haben wir nun auf Wunsch verschiedener Investoren Projekte sowohl mit konventionellen Technologien als auch nach Low-Tech-Prinzipien ausgearbeitet. Allein bei den Technologien haben wir mit den Low-Tech-Lösungen 50 Prozent der Investitionskosten eingespart. Dabei sprechen wir noch nicht einmal von den Betriebskosten, da die Technologien jährlich gewartet werden müssen. Oft können wir uns die natürlichen Eigenschaften des Gebäudes zunutze machen. Wir berücksichtigen die Himmelsrichtungen und richten das Gebäude effektiv zur Sonne aus. Wenn möglich, setzen wir lieber auf natürliche Belüftung statt auf Zwangsbelüftung, auf natürliches Licht statt auf künstliches und so weiter. Es ist nicht immer notwendig, für jede Kleinigkeit eine Technologie zu entwickeln, wenn wir uns die Funktionsweise der Natur zunutze machen können.
Im BudexHub haben Sie keine Sprinkleranlagen installiert. Da hat die Natur wohl nicht viel geholfen.
Es ist stets erforderlich, das gesamte Konzept eines Gebäudes von Anfang an gründlich zu durchdenken. Wenn wir vom Brandschutztechniker die Information erhalten, dass es eine Variante gibt, bei der im Gebäude keine Sprinkleranlagen erforderlich sind, ist diese Möglichkeit für uns auf jeden Fall von Interesse. Wir bewegen uns jedoch stets im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und Brandschutzvorschriften. So müssen wir beispielsweise eine elektrische Brandmeldeanlage (EPS) installieren, das Gebäude ordnungsgemäß in Brandabschnitte unterteilen und die Feuerwiderstandsfähigkeit der einzelnen Bauteile einhalten. Erst durch die Kombination dieser Parameter kann das Gebäude letztendlich ohne Sprinkleranlage auskommen.
Sie bieten sich auch konkurrierenden Architekturbüros, die über keine eigene Planungsabteilung verfügen, als Planungspartner an. Das ist auf dem tschechischen Markt ein recht ungewöhnliches Modell. Besteht Interesse an einer solchen Zusammenarbeit?
Selbstverständlich schätzen Architekturbüros, dass unsere Planer sozusagen „in der Architektur groß geworden“ sind und daher in jeder Phase eines Projekts einsteigen können. Meistens erstellt ein anderes Architekturbüro zunächst eine Studie, und wir setzen die Arbeit gemeinsam mit ihnen fort. Wir erstellen für sie die Unterlagen für die Baugenehmigung, die Bauausführung und weitere damit verbundene Leistungen. Dieses Angebot richten wir nicht nur an lokale, sondern auch an ausländische Architekturbüros, die gerade erst auf den tschechischen Markt drängen. Sollten sie hier einen Wettbewerb gewinnen, sind wir für sie der ideale Partner, da wir das tschechische Bauwesen kennen und ihnen vor Ort Unterstützung bieten können.
An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?
Derzeit stellen wir zwei Ausführungsunterlagen fertig. Das erste Projekt betrifft den Universitätscampus in Olomouc, wo wir uns in der letzten Phase vor der Fertigstellung befinden. Es handelt sich um moderne Studentenunterkünfte, bei denen wir großen Wert auf Gemeinschaftsräume legen, wie beispielsweise Gemeinschaftsküchen, Waschküchen, einen Fitnessraum, einen Kinosaal oder einen Spielraum. Das zweite Projekt, für das wir derzeit die Ausführungsplanung fertigstellen, ist die Cambridge International School in Bratislava auf dem Patronka-Gelände. Dies ist ein Ort mit bewegter Vergangenheit: Früher wurden dort Patronen hergestellt, später diente das Gelände als Sammelstelle für Juden, die in Konzentrationslager deportiert wurden. Nun entsteht dort endlich etwas Positives, und zwar eben diese neue Schule. Darüber hinaus beginnen wir mit den Planungsarbeiten für ein Apartmenthotel in Harrachov sowie für einen kombinierten Holzbau einer Grundschule in Jílové bei Prag.
Wir betrachten BIM in erster Linie als eine zentrale Informationsquelle, die Zeitverschwendung verhindert. Die Arbeit mit BIM ist nicht schneller, sondern qualitativ hochwertiger, da wir die eingesparte Zeit dafür nutzen, die Projektdokumentation zu verbessern, detaillierter zu gestalten und gründlicher zu prüfen.
ZDENĚK VONDŘIČKA
Er ist im Studio Perspektiv als Head of Engineering tätig und leitet das Planungsteam mit Schwerpunkt auf der technischen Leitung komplexer Bauprojekte. Dabei stützt er sich auf langjährige Erfahrung in der Leitung großer Projekte wie der Zuckerfabrik Modřany, der Bäckerei Michelské oder der Prague Marina NOVA. Er legt Wert auf die Verständlichkeit der Lösungen, die Vorhersehbarkeit von Risiken und einen reibungslosen Ablauf der Umsetzung. In mehr als zwanzig Jahren in der Branche war er an Projekten mit einer Gesamtfläche von 160.000 m² und einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 15 Milliarden Kronen beteiligt.