Wie war Ihre Schule?

Martin Křivánek, 30. 10. 2025

Architektur

Diese Frage stelle ich oft meinen Architektenkollegen, die mit mir an der Gestaltung von Schulen arbeiten. Jeder erinnert sich genau an seine Schule, wie sie funktionierte, wie die Umkleideräume aussahen, wo man zu Mittag aß, wo das Lieblingsklassenzimmer war. Der Schulraum prägt uns von Kindheit an. Es ist einer der ersten Orte, an dem wir beginnen, den Raum wahrzunehmen und ihn mit Menschen und mit uns selbst in Beziehung zu setzen.

Die Schule ist ein Mikrokosmos, in dem wir lernen zu kooperieren, andere zu verstehen und Konflikte zu lösen. Die Qualität des Raums hat einen großen Einfluss auf diesen Prozess. Untersuchungen der Universität Salford aus dem Jahr 2015 haben gezeigt, dass eine gut gestaltete Schulumgebung die Leistungen der Schüler in einem einzigen Jahr um bis zu 16 % verbessern kann. Die entscheidenden Faktoren sind Licht, Akustik, Luftqualität und der Kontakt zur Natur (Quelle: ScienceDaily, 2015)

Der Kontext als Beginn des Designs

Wenn wir eine Schule entwerfen, gehen wir immer von dem Kontext des Ortes aus, für den wir sie entwerfen. Die Umgebung, die Landschaft und der Charakter des Dorfes oder der Stadt sind die ersten konzeptionellen Überlegungen dazu, wie die Schule an diesem Ort gestaltet werden soll. Wenn wir eine Schule am Stadtrand von Bratislava entwerfen, entwerfen wir nicht nur ein Gebäude, sondern einen ganzen Campus, auf dem man den ganzen Tag verbringen kann. Ein Ort, an den man zum Sport, zu Ausstellungen oder Konzerten gehen kann. Eine solche Schule wird zu einem natürlichen Teil der Stadt, zu dem man vom Zentrum aus fahren kann.

Bei der Gestaltung von Schulen in kleineren Gemeinden achten wir dagegen darauf, wie die Schule das Gemeinschaftsleben stärken und geeignete Innen- und Außenräume für das Zusammenleben bieten kann. Der öffentliche Außenbereich ist für die Schule ebenso wichtig wie der Innenbereich, denn die Schule funktioniert nicht mehr nur während der Schulstunden. Heute ist sie ein offenes Haus, das nachmittags und abends weiterlebt und seine Räume für Clubs, Kunst- oder Musikaktivitäten, Keramik oder für die Nutzung der Sportanlagen durch die Öffentlichkeit und lokale Vereine zur Verfügung stellt.

Die Umgebung, in die eine Schule eingebettet ist, beeinflusst ihr Design grundlegend. Die Schule sollte ein lesbarer und selbstbewusster Punkt in der Stadtgestaltung sein, der auf die Bedeutung dieser öffentlichen Einrichtung hinweist. Gleichzeitig sollte sie einen hochwertigen öffentlichen Raum um sich herum schaffen, der das Leben außerhalb des Klassenzimmers unterstützt. Das Schulgebäude ist heute kein geschlossenes Gebäude, sondern ein offenes Haus für alle.

Interne Anordnung

Der Innenraum einer Schule wird immer von ihren Nutzern bestimmt. Eine Grundschule wird eine andere räumliche Anordnung haben als eine Mittel- oder Oberschule. In Grundschulen, wo die Hauptnutzer spontan handelnde Kinder sind, ist es wichtig, mit zwei grundlegenden Raumprinzipien zu arbeiten – Klassenräume für konzentriertes Lernen und Gemeinschaftsräume.

Die Klassenzimmer müssen die bestmöglichen Bedingungen in Bezug auf Licht, Akustik und Wärmekomfort bieten. Sie sollten auch das Lernen im Freien ermöglichen und den Schülern die Möglichkeit geben, den Raum persönlich zu gestalten, so dass sie sich mit ihm identifizieren und für ihn verantwortlich fühlen können. Gleichzeitig sollten sie so flexibel wie möglich sein und verschiedene Anordnungen zulassen.

Die Gemeinschaftsräume der Schule sind ihr Herzstück – wie der Platz im Stadtzentrum. Hier treffen sich alle und hier findet informelles Lernen statt. Es sind Räume, die zum Entdecken und Erforschen anregen. Sie bieten ein großes offenes Atrium mit einer Sitztreppe, die als Schulauditorium oder Amphitheater für Gruppenveranstaltungen dienen kann. Gleichzeitig schaffen sie ruhige Ecken für Einzelarbeit oder kleine Gruppen.

Die Räume haben einen ganz eigenen Charakter und schaffen einen natürlichen Übergang von der großen offenen Welt zu kleineren Plätzen vor mehreren Klassenzimmern, auf denen informelles Lernen stattfindet. Rund um das Hauptatrium, unseren „Schulplatz“, platzieren wir Funktionen, die das Schulleben und die soziale Interaktion unterstützen: die Bibliothek, den Schulclub oder Ausstellungsräume. So wie die wichtigsten Gebäude der Stadt auf dem Platz stehen, sind auch die Orte, die die Schulgemeinschaft verbinden, hier konzentriert.

Schule als Landschaft des Lernens

Für uns ist jede Schule, an der wir arbeiten, das Ergebnis der Verbindung zwischen der äußeren Umgebung, dem Kontext und dem Gebäude selbst. Die Architektur einer Schule wird nicht in Isolation geschaffen. Sie reagiert auf ihre Umgebung und betritt sie als neuer öffentlicher Ort, der allen offen steht.

Wir streben danach, dass die Schule eine ganzheitliche Lernlandschaft schafft, die das Lernen rundherum ermöglicht, nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in den Fluren, im Atrium, im Innenhof oder im Garten. Der gesamte Schulbereich sollte aktiv das Lernen fördern, die Neugierde anregen und verschiedene Formen der sozialen Interaktion ermöglichen, sei es in kleinen Gruppen oder in einer größeren Gemeinschaft.

Eine gut gestaltete Schule gibt Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, die Umgebung nach Bedarf zu verändern, zu entdecken und umzugestalten. So entsteht ein Ort, der inspiriert, sich entwickelt und auf natürliche Weise lehrt. Die Idee des bekannten Philosophen: „Schule durch Spiel“ gilt immer noch.

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