Geschichten, die uns prägen: Wie gehen wir an Konzepte für die Inneneinrichtung von Schulen heran?

Barbora S. Babocká, 12. 1. 2026

Interieur

Die Schule schafft eine Umgebung, die uns von klein auf prägt – sie beeinflusst unser Verhalten, unsere Konzentrationsfähigkeit und unsere Einstellung zum Lernen. Aber was sie einzigartig macht, ist die Geschichte, die sie durch ihr Inneres erzählt. Nicht im Gegensatz zur Architektur, sondern als ihre natürliche und sinnstiftende Ebene. Wie hat sich das Prinzip „Schule durch Spiel“ im Laufe der Jahrhunderte verändert und welche Ansätze inspirieren die Gestaltung von Schulinnenräumen heute?

Ist die Farbe der Bank wichtig?

Das Interieur ist eine Schicht, die auf der Architektur aufbaut und mit Emotionen, Orientierung im Raum und Inklusivität arbeitet. Es füllt die Form nicht aus, sondern entwickelt sie natürlich weiter. Oft entwickeln wir unsere eigene Geschichte aus dem Kontext des Ortes. In anderen Fällen lassen wir Raum für die individuelle Ausgestaltung durch die Nutzer selbst. Manchmal greifen wir nur sensibel in die Umgebung ein, fast wie eine „Akupunktur“. Schulen, die in der Landschaft liegen, erfordern buchstäblich die Anwendung des Inside-Out-Prinzips, bei dem die Natur in den Innenraum „eindringt“ und die Aktivitäten der Kinder nach außen dringen – die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmt praktisch.

Unsere Entwürfe beruhen auf forschungsbasierten pädagogischen und räumlichen Prinzipien. Diese helfen uns dabei, unsere Arbeit mit Farben und Materialien im Hinblick auf den Maßstab des Raums zu strukturieren. Die Farbe der Bank allein wird die Schule nicht verändern. Im Kontext des gesamten Raums kann sie jedoch den Fokus und die Gesamtästhetik sowie die Beziehung zur Umgebung fördern.

Schulaufführung heute

Das Prinzip der Spielschule hat eine moderne Wandlung erfahren und ist nach vielen Jahren nicht mehr nur eine Alternative zum herkömmlichen Unterricht. Es ist zur Grundlage für moderne Methoden zur Förderung der Autonomie, der Neugier und der intrinsischen Motivation des Kindes geworden, die jetzt bei der Gestaltung der Schulen der Zukunft weithin Anwendung finden. Für jüngere Kinder spiegeln sich diese Prinzipien in verschiedenen Arten des Spiels wider – haptische Tafeln, Klettergerüste, beschreibbare Wände oder Koch-, Garten- oder Musikunterricht. Die Wahrnehmungen älterer Kinder können oft widersprüchlich sein. Deshalb ist es wichtig, ihnen Zugang zu verschiedenen Arten von Reizen zu geben – zum Beispiel durch verschiedene Formen von Sitzgelegenheiten, Hoch- oder Balancierstühle oder Hängematten. Die Räume müssen also nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur emotionalen Regulierung gestaltet werden.

Eine zeitgenössische Weiterentwicklung dieser Prinzipien ist das Konzept derLernlandschaft, das durch die Ideen und Forschungen von Rosan Bosch geprägt wurde. Die Schule ist in diesem Konzept keine Ansammlung von geschlossenen Klassenzimmern, sondern ein fließender Raum, der Konzentration, Zusammenarbeit und Bewegung fördert, in dem Stille und Ruhe gleichermaßen wichtig sind. So erstreckt sich das Lernen ganz natürlich auch auf den vorderen Teil des Raumes und auf Bereiche, die normalerweise nicht genutzt werden.

Andere Ansätze bauen auf die Flexibilität der Umgebung, die sich laut Forschung positiv auf die Lernergebnisse auswirkt, und auf die Schaffung kleinerer Räume, um ein Gefühl der Sicherheit und Ruhe zu fördern. Böden und Wände sind keine passiven Kulissen mehr – sie werden zu aktiven Elementen, die Neugier und Kreativität anregen. Wohntreppen fördern das Gemeinschaftsgefühl und die Sicherheit, wichtige Faktoren, um Mobbing zu verhindern und die soziale Integration zu fördern.

Farbe und Materialien als Gegensatz zur institutionellen Sprache

Die verwendeten Farben, Formen und Materialien erzählen die Geschichten des Raums. Wir verwenden ausdrucksstarke und aktive Farben vor allem in Gemeinschaftsbereichen, während gedämpfte und ruhige Farben in Bereichen für individuelle Arbeit oder Entspannung verwendet werden. Die organische Formgebung der Elemente, die Holzoberflächen der Strukturen und die maßgefertigten Möbel bringen ein Element der Natur in die Innenräume und tragen zum Stressabbau bei. Die Verwendung innovativer Materialien wie Recyclate fördert das Umweltbewusstsein und lehrt nicht nur die Kinder die Prinzipien des Kreislaufgedankens. Neutrale Paletten in den Klassenzimmern fördern die Konzentration und ermöglichen die Individualisierung der Räume.

Wie Rosan Bosch sagt: „Der Raum lehrt genauso viel wie der Lehrer.“ Jede Schule ist das Ergebnis einer Kombination verschiedener Prinzipien, die zusammenwirken, um eine reichhaltige räumliche Komposition und eine Vielfalt von Erfahrungen während des Schultages zu schaffen – für Schüler, Lehrer und andere Mitarbeiter.

Unser Ansatz

Das Thema Bildung hat in unserem Studio schon lange einen hohen Stellenwert. Wir konzentrieren uns auf Schulen nicht nur bei Architekturwettbewerben, sondern vor allem bei der Entwicklung von Projekten, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Wir halten es für eine Seltenheit, dass wir diesen komplexen Bereich in Teams entwickeln können, die „unter einem Dach“ arbeiten. Dies schafft einen Raum für Diskussionen und eine sinnvolle Integration von konzeptionellen Prinzipien der Architektur, des öffentlichen Raums und der Innenarchitektur, mit Respekt für die individuelle Spezialisierung und Erfahrung der einzelnen Berufsgruppen.

Wie wir mit dem Kontext des Ortes und der inneren Aufteilung der Räume arbeiten, können Sie in diesem Artikel nachlesen Wie hat Ihre Schule ausgesehen?

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