Ihr Entwurf für ein modernes Wohnhaus in der Lodecká-Straße im Zentrum von Prag hat Ihnen 2011 den Nationalen Preis für Architektur eingebracht. Was halten Sie von den Meinungen, die behaupten, Prag sei ein Freilichtmuseum und moderne Architektur könne dort nicht gebaut werden?
Ich teile diese Ansicht so ziemlich. Wir haben es geschafft, ein System mit einer unendlichen Anzahl von Hindernissen aufzubauen. Die kühnsten Pläne erfordern neben der vielfachen Energie, die man aufbringen muss, auch eine enorme Portion Glück, um sie zu verwirklichen. Architekten und Investoren wissen das. Das Ergebnis ist, dass jeder mit dem Rücken zur Wand steht. Aber wir sind hier, um etwas dagegen zu tun.
Wie Städte und Gebäude auf die Bedürfnisse der modernen Gesellschaft reagieren sollten. Was ist die Rolle des öffentlichen Raums?
Der öffentliche Raum erfährt eine Renaissance. Ich glaube, in den letzten zehn Jahren, zumindest in unseren Köpfen. Und mancherorts, sogar in der Realität, beginnen die Autos den Raum zu räumen, der lange Zeit von Fußgängern und Radfahrern genutzt wurde. Wir stehen am Anfang des Prozesses, die Städte den Menschen zurückzugeben.
Woran mangelt es Ihrer Meinung nach in der tschechischen Architektur, und woran mangelt es insbesondere in Prag am meisten?
Den Mut, Entscheidungen zu treffen. Es ist besser, zu bauen und dabei vielleicht Fehler zu machen, als nicht zu bauen. Was Prag also fehlt, ist die die Macht und Autorität, um die Dinge zu erledigen – die Reform der Kommunalverwaltung. Die Stadt ist so zersplittert und hat so komplexe interne Prozesse, dass sie ein brutales Hindernis für die Entwicklung darstellen
Peter, Sie haben eine vielfältige Sammlung abgeschlossener Projekte vorzuweisen. Aber gibt es eine Typologie, die Sie gerne ausprobieren würden?
Ein guter Rat ist: Machen Sie Ihre Wünsche nicht öffentlich, sie könnten in Erfüllung gehen 😊 Aber zum Beispiel: ein Altersheim – gemischt mit einer Kindertagesstätte. Zwei Typologien, die sich wunderbar ergänzen.
Welche der Vorurteile, die über Architekten kursieren, halten Sie für falsch?
Wir sind keine Träumer von großen Visionen, die von der Realität abgekoppelt sind. Architekten müssen das Leben und seine Typologie und Bedürfnisse kennen wie kein anderer Beruf. Es ist ein Dienst am Menschen, nicht am Ego.